| Suppechasper Information |
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Das 50. MehlsuppeässeEin unbestrittener Höhepunkt der Jestetter Fasnacht ist das «Mehlsuppeässe». In diesem Jahr wurde es zum 50. Mal durchgeführt – den runden Geburtstag hätte man eigentlich schon 2005 feiern können, doch 1991 fiel die Fasnacht wegen des Golfkrieges aus. In der Narrenzeitung von 1975 schildert «Zeitzeuge» Elmar Abend die Entstehung des Mehlsuppenessens: Im Jahr 1955 hatte der Elferrat (als Vorgänger des Narrenvereins) unter seiner Tollität Prinz Theodorus I. und ihrer Lieblichkeit Prinzessin Ria verschiedener Vorkommnisse wegen eine außerordentliche Elferratssitzung einberufen müssen. Diese fand im Gasthaus «Zum Salmen» statt. Umgehend hatten verschiedene Narren von der Wichtigkeit des Termins erfahren und um diesen nicht zu verpassen, und dass auch jeder pünktlich erscheine, wurde eine Wette abgeschlossen: Jeder der beteiligten Narren musste ein Instrument beschaffen und mit diesem pünktlich um 10 Uhr im Salmen erscheinen. Der Zeitpunkt des Treffens wurde ganz genau vorgeschrieben. Es durfte keiner der Beteiligten von einem anderen auf der Straße gesehen werden, jedoch wenn die «Domuhr» den ersten Schlag für 10 Uhr ertönen ließ, mussten alle da sein, um beim letzten Schlag die Türe des Salmen hinter dem Letzten zu schließen. Man stelle sich das Gedränge auf der Salmentreppe vor. Keiner wollte verlieren! Jeder Hauseingang, jedes Schöpfle rund um den Salmen war mit Narren besetzt, denn die Wette ging darauf hinaus, dass wer zu spät kam, die Zeche für alle zu blechen hatte – und die war nicht billig, beim Durst der echten Narren. Der Letzte war an jenem Morgen – wie konnte es anders sein – Exprinz Carolus I., Karl Büchel. Es schlug schon 10 Uhr, als er ohne Schuhe, in Socken und eine Wolljacke in der Hand aus seinem ca. 300 Meter entfernten Haus auf den Salmen zugerannt kam. Trotz allem Tempo erreichte er das Ziel zu spät und musste nebst Spott auch den Schaden tragen. Der Narrenmarsch und ein kräftiges «Hoorig» versöhnten den halbverschlafenen, armen Narren jedoch bald. Dem Verlierer war auch schon ein Kasten Bier aufgebrummt worden, und so nahmen die Ereignisse schnell ihren Lauf. Die schon jahrelang bestehende «Ploderbock» oder «Chatzemusigg» und wie diese Musikkapelle sonst noch willkürlich getauft wurde, erhielt den Namen «Närrische Sprützchantemusigg». Da nach dem turbulenten Auftakt eine Stärkung erwünscht war, sollte der damalige Salmenwirt eine Mehlsuppe auftischen – das gelang ihm jedoch nicht und so gab es beim ersten Mehlsuppeässe eine Gulaschsuppe. Der Wirt musste jedoch eidesstattlich erklären, bis zur nächsten Fasnacht die Kunst des Mehlsuppenkochens zu erlernen. So wurde durch eine außerordentliche Elferratssitzung und eine Narrenwette das Mehlsuppeässe geboren. Das Mehlsuppeässe wurde in den Jahren danach zum Dorfgespräch, weil es vom spontanen Humor der vielen närrischen Originale lebte und es jeweils bei den Anklagepunkten des «Hochgrobgünstigen Narrengerichtes» viel zu lachen gab. So kam es wie es kommen musste: der Salmen wurde bald zu klein und man verlegte das Mehlsuppeässe in den Bahnhofssaal (heutiges Restaurant Tao Tao). Eine weitere Änderung war inhaltlicher Art: aus der Stehgreifsitzung der ersten Stunde wurde eine Veranstaltung mit festem Programm. Die Regie übernahm Otto Heiz, der erste «Mehlsuppechasper». Ihm war es auch vorenthalten, 1969 das erste Mehlsuppeässe in der vollbesetzten Gemeindehalle zu präsentieren. Wie beliebt diese Veranstaltung war, kann man an den Besucherzahlen damals ablesen: jedes Mehlsuppeässe war praktisch ausverkauft und die Narren standen schon um 7 Uhr vor der Halle, um einen guten Platz zu ergattern. Dies änderte sich erst 1983, als der Narrenverein nach langen Diskussionen zum Vorverkauf überging und die Plätze reservierte. Seither kann man in aller Ruhe nach 8 Uhr in die Halle kommen und sich auf ein gutes Frühstück freuen, das schon seit vielen Jahren samt der Mehlsuppe vom Turnverein angeboten wird. Nach zehnjähriger Leitung übergab Otto Heiz 1974 die Leitung des «Mehlsuppeässe» an Karl Büchel, der in Anlehnung an den Suppenkaspar aus dem «Struwwelpeter» von Heinrich Hoffmann die Figur des «Suppenchasper» kreierte. Mit Schwung und Elan perfektionierte Karl Büchel das Mehlsuppeässe, ohne aber den dörflichen Charakter auszublenden, traten doch stets reine «Amateure» auf die Bühne, die in ihrer jeweils eigenen Art Vorträge zum Besten gaben. In der Folgezeit wechselte die Leitung des «Mehlsuppeässe» einige Male: 1980 übernahm Heinz Engelberger für ein Jahr die Regie, Kontinuität gab es dann ab 1981, als Berthold Danner bis 1988 das Mehlsuppeässe mit Witz und Humor leitete und nach seinem Rücktritt zu Recht zum «Ehrenmehlsuppechasper» ernannt wurde. Danach trat ein «Triumvirat» auf: Markus Steger, Bruno Danner und Winfried Rieger (später auch Norbert Langner) nahmen die Leitung des «Mehlsuppeässe» bis 1994 in die Hand, es folgten Mathias Lüber, Sven Trapp und Holger Jörns, ehe 1997 Henry Brückel wieder in die echte Figur des «Chasper» schlüpfte und seither mit Bravour das Mehlsuppeässe leitet. Es würde zu weit führen, alle «Künstler» namentlich aufzuzählen, die beim Mehlsuppeässe aufgetreten sind – schätzungsweise sind es über 100 Personen. Generell kann man zunächst eines feststellen: es ist erstaunlich, wie viele «Talente» es in einer Gemeinde in der Größenordnung von Jestetten gibt. Ein weiteres ist erstaunlich: bei jedem Mehlsuppeässe ein knapp vierstündiges Programm auf die Beine zu stellen, ist aller Ehre wert. Und es gab in diesen Programmen eine Fülle von Highlights, von denen stellvertretend einige genannt werden sollen. Viele Jahre war das Mehlsuppeässe nicht denkbar ohne Gerichtssitzungen, bei denen närrische Vorfälle aufgegriffen und von einem «Hochgrobgünstigen Narrengericht» sehr zur Gaudi des Publikums abgeurteilt wurden. Unvergessen ist hier nicht zuletzt die Verhandlung gegen die Vorstandschaft des Narrenvereins «Hü-Ri» (Hürrlingen-Riedern), bei der es um den Tod eines Schweines anlässlich des Narrentreffens in Riedern a.W. ging. Traditionsfiguren waren viele Jahre «Seppli und Karle», die von verschiedenen Personen verkörpert wurden, Spitzenvorträge gab es von Hermann Abert, Erich (Teddy) Diemel und Ellen Albiker. Noch heute schwärmt man von der Gruppe «DaStraDa» (Bruno Danner, Eugen Straub und Berthold Danner) mit ihren Hits vom «Gomfibrot» und «La Fliega» oder den Volkenbachlerchen, die von Ursel Ruppender «erfunden» und später von Diana Herz, Beatrice Tanner, Ingrid Schlude und Jutta Abend weitergeführt wurden. Eng verbunden mit dem Mehlsuppeässe ist bis zum heutigen Tag die gesamte Familie Abend (Elmar, Gisela und Andrea), ebenso die Familie Puchta (Dieter, Ulla und Annabelle), über 25 Mal glänzte Manfred Strauß mit seinen originellen Vorträgen oder Rainer Denzel (vu Singe), der neben anderen Auftritten 30 Büttenreden als Schlussredner zum Besten gab. Nach dem Abgang der «alten Mehlsuppeässe-Künstler» haben neue Künstler mit großem Erfolg ihre Rolle übernommen. Gedacht ist hier an Markus Glattfelder, Kurt Hämmerle, Ernst Klos, Ruth Altenburger, Karin Merkt und Stefan Brunnenkant oder Birgit Burkhardt mit ihren Kindern, um nur einige zu nennen. 50. Mehlsuppeässe – eine tolle Geschichte, eine Geschichte, die so lange weitergehen wird, wie es Narren gibt, die sich auf die Bühne stellen, um das Publikum zum Lachen zu bringen und Narren, die es sich nicht nehmen lassen, am Rosenmontag um 9 Uhr in die Halle zu kommen. Dass dies auch in Zukunft so sein wird, zeigte eine Spontanabstimmung 2005: praktisch einstimmig votierte die närrische Versammlung dafür, das Mehlsuppeässe wie bisher am Montagvormittag beizubehalten und nicht auf einen Abend vor der Fasnacht auszuweichen. Tradition ist Tradition! Verfasser Rainer Denzel
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| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 25. Dezember 2009 um 15:17 Uhr |
